Eines ist klar: Beschäftigt man sich etwas mit Gehirnforschung, Neuroökonomie und ähnlichen Disziplinen, wirft man schnell althergebrachte Denkmuster über den Haufen – oder kommt zumindest ins Grübeln.
Die grundlegendste Erkenntnis ist sich der Ablauf von Entscheidungen beim Menschen.
Denn wir alles wissen, als vernünftiger, intelligenter Mensch entscheiden wir rational auf Basis der Fakten. Oder? Falsch!
Was uns diverse Lebensberater – Kinesiologen und andere “für intelligente, vernünftige Menschen komische Typen” – schon immer predigten, ist zum wahr: Hör auf deinen Bauch. Aus rein physiologischer Sicht bleibt uns auch nichts anderes über. Denn Entscheidungen sind schlussendlich immer emotional.
Hierzu braucht es einen kurzen Blick in das Gehirn und auf die Systeme, die am Entscheidungsvorgang beteiligt sind.
Für eine Entscheidung und Handlung braucht es nämlich drei:
- Das Limbische System
- Den Präfrontalen Cortex
- Die Basalganglien
Ersteres ist der Sitz unserer Emotionen und unserer Bedürfnisse: Einmal auf eine heiße Herdplatte gegriffen so wird der Schmerz hier abgespeichert; einmal an einer Rose gerochen und vom Duft betört – genau hier.
Hier entspringen alle unsere Bedürfnisse – primäre (Hunger, Durst, Wärme etc.) und sekundäre (Liebe, Stolz, Anerkennung usw.).
Der Präfrontale Cortex ist ein Teil des Gehirns der uns zum Menschen macht. Sitz unseres Verstandes, der Vernunft. Hier wissen wir. Die Basalganglien sind sozusagen das Steuerzentrum – wer seine Hand ausstrecken will, muss hier durch.
Wie läuft nun eine Entscheidung ab?
Basis ist ein Wunsch, ein Bedürfnis und das entspringt immer dem Limbischen System (den Emotionen). Hier können wir schon entscheiden bzw. handeln und wir werden zufrieden sein (so passieren z.B. Affekt-Handlungen) – das Problem ist, das Limbische System ist wie ein Kleinkind, es kann die Folgen der Handlungen nicht abschätzen – oder nur bedingt. Deshalb ist es zumindest so verantwortungsvoll, den Präfrontalen Cortex (den Verstand) um Rat zu fragen. Hier kommt unser Verstand ins Spiel: Was passiert bei der Handlung? Ist das klug? Geht es mir besser? Was habe ich davon? Wir kennen diese Fragen.
Der Verstand liefert ein Ergebnis zurück an die Emotionen ABER das ist nur ein Rat – kein Befehl. Schlussendlich können die Emotionen damit machen was sie wollen – denn zur Handlung nach der Entscheidung kommt es nur durch die Basalganglien und auf die hat unser Verstand keinen Zugriff. Nur das Limbische System.
Kurz gesagt: Entscheidungen gehen von den Emotionen aus, bei Bedarf werden sie reflektiert und die Emotionen setzen eine Handlung. Damit ist jede Entscheidung grundsätzlich emotional.
Halt! Es gibt aber schon rationale Entscheidungen – ich hab ja schon oft welche getroffen.
Ja aber nur bis zu einem gewissen Grad. Anders: Unsere Entscheidungen sind maximal stärker rational reflektiert als andere.
Keiner denkt beim Milchkauf nach, beim Autokauf aber schon. In diesem Fall (die Entscheidung ist wichtiger, ungewohnter) werden wir mehr auf unseren Verstand hören.
Aber wir müssen nicht: Deshalb rauchen wir – obwohl wir wissen, dass es schädlich ist. Deshalb betrügen manche Partner ihre Partnerin – obwohl sie eine Familie haben. Ja deshalb trinkt ein Verdurstender auch Salzwasser.
Wir kennen aber auch den umgekehrten Weg, wenn wir stark nach unserem Verstand handeln und die Emotion außer Acht lassen. Zum Beispiel wenn wir versuchen zwei Wochen keinen Zucker zu essen oder keinen Alkohol zu trinken. Wir spüren richtig das Bedürfnis und die Diskrepanz zwischen Emotion und Ratio.
Weiterführende Literatur hierzu: Gerhard Roth – Aus Sicht des Gehirns; ISBN 978 3518 295151
Ein Kommentar
Tja, ich sag nur der gute alte “Maslow” mit seiner Bedürfnisspyramide hat wie immer recht gehabt. Wenn das Bedürfnis einmal da ist, dann schweigt der “Cortex cerebri”
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